GERALD MORODER

Soul

Kuratorin Anna Lisa Ghirardi

Eröffnung | Freitag 31. März 2017, 18 Uhr


Dauer der Ausstellung | 1/4 – 6/5/2017
Öffnungszeiten | Di–Sa, 9.30 – 12.00 und 15.30 – 18.00 Uhr
Sonntag, Montag, 25.4. und 1.5. geschlossen

In der in Zusammenarbeit mit iSculpture Gallery von San Gimignano organisierten Ausstellung präsentiert Gerald Moroder neun neue Arbeiten – Skulpturen kleinerer und mittlerer Dimension sowie geschnitzte Holzplatten, die zwischen 2016 und 2017 realisiert wurden.

Der Titel Soul (Seele) verweist auf den roten Faden, der sich durch seine Werke, und insbesondere auch die Ausstellung selbst zieht, die von einer vitalen Spannung und einer wesensgleichen Sehnsucht erfüllt und ganz auf eine spirituelle Ebene ausgerichtet ist.

Die menschlichen Figuren von Gerald Moroder, die auf die essentielle Form reduziert sind, strecken sich zu einem anderen Ort, zu einem Anderswo hin, auf der Suche nach einem Weg, nach einer Offenbarung. Es sind Darstellungen der menschlichen Essenz, zeitlose Figuren ohne Attribute, die eine räumliche oder zeitliche Bindung herstellen würden – es sind archaische Menschenwesen der Gegenwart.

Der Grödner Gerald Moroder, der nicht unbedingt an die Holzschnitzkunst seiner Heimat gebunden ist, erschafft seine Werke aus einem Gemisch aus Sand, Eisenspänen und einer Porphyrmixtur – Materialien, die eine archaische Geschichte bewahren. Auch die Materie unternimmt diesen langen Weg des Suchens.

Im ersten Raum ist eine dreiteilige Gruppe von Figuren ausgestellt, die sich mit ihren stark nach vorne gestreckten Gesichtern über sich selbst hinaus bewegen. Es sind Irrende, Wesen auf der Suche nach einer Antwort.

Im nächsten Raum unterbrechen zwei große Männer im Werk Der Augenblick, ihren Gang und wenden ihren Blick voran, in Erwartung einer Antwort.

Im dritten und letzten Raum sind zwei weitere, kleinere menschliche Figuren an der Wand befestigt, mit den Armen leicht nach hinten geneigt und dem Kopf nach oben gerichtet. Der Titel Reflexion bestätigt uns den Eindruck der Meditation, den sie vermitteln. Die Reflexion verweist zudem auf den Schattenwurf an der Wand – das Doppelte, der Geist, das Wesenhafte. Die Arbeiten von Moroder sind nämlich durch duale Elemente gekennzeichnet: Licht und Schatten, Bewegung und Stillstand, Materie und Seele.

Im letzten Saal begegnet uns frontal eine zwei Meter große reglose Figur, das Sein. Schon beim Eintreten erkennen wir in der Skulptur das Ziel des Parcours, den zentralen Mittelpunkt einer Suche, die der Mensch außerhalb sich selbst und in sich selbst unternimmt. Das Sein, das Leben in einem Zustand der Harmonie zwischen der begreifbaren und der unsichtbaren Welt, wird für den Künstler zum Sinn seiner menschlichen wie künstlerischen Suche.

An den Wänden der Räume sind vier plastische Paneele angebracht, Richtung 1-4, deren Abfolge einen möglichen Weg der Suche andeutet, die von der Tiefe in die Höhe leitet, ohne die Materialität der Suche zu verlassen. Die irdische Welt ist der Ort, wo sich die Figuren bewegen, wo sie atmen und pulsieren, in Erwartung des Staunens und des Wunderbaren, in Erwartung der Erleuchtung.

Die anheimelnden Räume des Stadtmuseums werden so zu einem Ort des Nachdenkens, einem Ort der Meditation zwischen sich und der Welt, zwischen sich und dem Anderswo.

Nach Klausen wird die Ausstellung in der iSculpture Gallery von San Gimignano präsentiert werden.

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Gerald Moroder, 1972 in Mailand geboren, lebt und arbeitet in St. Ulrich. Er hat die staatliche Kunstschule „Cademia“ in St. Ulrich und die Berufsschule in Wolkenstein absolviert. Nach der Lehrzeit bei einigen Grödner Bildhauern eröffnet er 1995 seine eigene Werkstätte.

Seit 2001 ist er an Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt darunter die Biennale Gherdeina 2010, unter der Kuratorin Chiara Canali; die Kunststrasse in Imst (A) 2014 und 2015; die Beteiligung an der 54. Biennale von Venedig; die Ausstellung im Sanyi Wood Sculpture Museum in Taiwan 2016. Zu den wichtigsten Einzelausstellungen zählen: Skulpturen, Galerie im Kies, Altach (A), 2011; Alter Ego, Istitut Ladin, San Martino in Badia, 2012; II, Kreis für Kunst und Kultur, St. Ulrich, 2013; Lo spazio dell’essere, iSculpture Gallery, San Gimignano 2014;  Kunsthalle Hosp, Nassereith (A), 2016; Phantasy meets Reality, Galerie Hegemann, München, 2017.