Wilhelm Senoner ie Iona

Eröffnung | Freitag 28. März 2014 | 18 Uhr
Grußworte | Dir. Dr. Christoph Gasser | Landesrat Dr. Florian Mussner
Einführung | Prof. Philippe Daverio

Dauer der Austellung | 29/3 – 3/5/2014

Öffnungszeiten |
Di-Sa 9.30 – 12, 15.30 – 18 Uhr
So, Mo, 25.4. e 1.5. geschlossen

Begegnung mit dem Künstler – Sonderöffnung
Sonntag 30/3 & 13/4/2014
11-17 Uhr

www.wilhelmsenoner.com

Wilhelm Senoner gestaltet menschliche Figuren. Wilhelm Senoner schafft Typen. In den behäbigen wie zugleich beweglichen Gestalten verbirgt sich das Bild des eigenen Selbst. Mit „Ich Jonas“ schlüpft Senoner in die Rolle eines alttestamentlichen Propheten, dessen Geschichte auch im Koran vorkommt. Sein Buch besteht nicht aus einer Ansammlung von Prophetenworten, sondern aus einer Biografie. Und die Biografie hat allerhand zu erzählen. Von Gott erhält er den Auftrag, nach Ninive zu gehen und den unbekehrten Bewohnern der Stadt das Strafgericht zu predigen. Doch er besteigt das falsche Schiff, wird aber durch einen aufkommenden Seesturm in die richtige Richtung gepeitscht. Man sah in Jonas den Grund für den Sturm, er wird als Opfer in die See geworfen. Im Bauch des Walfisches übersteht er drei Tage und drei Nächte. Dann wird er an Land gespieen. Er marschiert nach Ninive, seine Bußpredigt hat Erfolg, die Stadt bekehrt sich. Jonas war grundsätzlich von der Barmherzigkeit Gottes überzeugt, weshalb er das falsche Schiff bestieg. Jetzt legt er sich enttäuscht unter eine Laubhütte, über die Gott eine Rizinuslaube wachsen lässt, dann auch zum Verdorren des Gewächses beiträgt. Der Verdruss über das Eingreifen Gottes ließ den Zweifel bei Jonas nur noch wachsen. Die biblische Erzählung bricht hier ab. Jonas bleibt ein Fragment, ohne Happy End. Aber,  ist das notwendig?

Die Menschenbilder Wilhelm Senoners haben nicht den Anspruch, grundsätzliche Fragen zu klären. Sie heben das Bild des Menschen auf einen Sockel, nicht um die Distanz zu erhöhen, sondern dessen Sichtbarkeit. Die rauhe Oberfläche wird durch die Farbe geschönt, die grundsätzlich einen positivistischen Blick zulässt. Es geht nicht um Kritik und Weltverbesserei, sondern um die Akzeptanz dessen, was ist. In Senoners Schöpferwelten zählt das gestaltete Sein, die Figur in Bewegung. Alles ist im Fluss. Man könne nicht zweimal in denselben Fluss steigen, so räsonierte Heraklit. Denn schon der zweite Blick auf die Skulpturen ergibt ein anderes Bild, ein anderes Beziehungsgeflecht. Senoner selbst zeigt sich im Jonas quasi als ein neuer Atlas in einer nicht allzu drückenden Lastträgerarbeit. Er hat noch die Zeit, sein Herz zu öffnen. Die Last wird zur lockeren Wolke und somit zu einem atmosphärischen Bild. Was bewegt wird, wird auch weitergebracht. Ob es sich um den hastig Schreitenden handelt, den wir aufgrund seiner eingeritzten Mantelkrempe als „Business-man“ erkennen, oder dem Paar, das beisammen liegt, das Assoziationspotential bleibt groß.   Im Kuss zeigt Senoner die Beflügelung durch die Muse, der er haptische Gestalt gibt. Somit ist alle Kunsttheorie dreidimensional , haptisch und greifbar. Ob Frau, ob Mann: In jeder Statik liegt das Bild einer Bewegung, die nicht den Umsturz sucht, sondern gemächliche Bewegtheit, mit der alle Sinne Schritt halten können.

Leo Andergassen